Donnerstag, 8. Juni 2017

Geduld!

ch weiß: Das sind 10 Minuten Eures Lebens, die Euch niemand zurückgeben kann. Dennoch möchte ich Euch bitten, das neue Stück "Vier Akkorde und ein Todesfall" durchzuhören. Es baut sich sehr langsam auf und sehr langsam wieder ab, aber es ist halt ein Ganzes. Außerdem: Was soll ich erst sagen? Ich habe lange an dem Teil herumgebastelt und traue mich fast nicht, es zu veröffentlichen, weil ich befürchte, daß es nur für mich Sinn ergibt. Also nur Mut: Rein in die Klänge und viel Vergnügen! Zum Stück geht's hier entlang.

Dienstag, 6. Juni 2017

Fundstück

in und wieder werde ich gefragt, warum die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg eigentlich die Cappa Magna tragen dürfen. Nun habe ich beim Stöbern in alten Zeitungen einen kleinen Artikel entdeckt, der diese Frage beantwortet:

Samstag, 27. Mai 2017

Alle auf die Margot!

ch habe sowohl zu Margot Käßmann als auch zur AfD - gemäßigt ausgedrückt - ein eher gespaltenes Verhältnis.

[Kurze Pause für die pawlowschen Schnappatmer, damit sie ihr "Skandal! Der Herr Alipius hat Margot Käßmann mit der AfD verglichen!" loswerden können...]

Reformationsbotschafterin (jawoll... so etwas existiert dieser Tage offensichtlich...) Käßmann ist im Moment Vorzeige-Buhfrau bei all denen, die sich in ihrem Deutsch-Sein ständig beobachtet bis angemacht fühlen. Denn sie sagte, wie die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers berichtet, während ihrer Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Berlin dies:
    Die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann hat in einer Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Berlin die AfD angegriffen. Die Forderung der rechtspopulistischen Partei nach einer höheren Geburtenrate der "einheimischen" Bevölkerung entspreche dem "kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten", sagte die ehemalige hannoversche Landesbischöfin am Donnerstagmorgen. "Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: 'Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht'", kritisierte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter tosendem Beifall.
Der Takeaway bei den Erzürnten ist: Käßmann haßt Deutschland und die Deutschen, weil sie findet, daß jeder braun ist, der unter seinen Eltern bzw Großeltern nicht wenigstens einen Nicht-Deutschen nachweisen kann.

Man kann nun geteilter Meinung sein, was Käßmanns Bewertung der AfD-Forderung nach einer höheren Geburtenrate bei der einheimischen Bevölkerung betrifft. Ich finde sie bescheuert (die Bewertung), kann aber natürlich verstehen, wie ein entsprechend konditionierter Verstand sofort den Sprung zu den Nazis findet und auch macht.

Jedoch: Selbst wenn die Geschichte zeigen sollte, daß der käßmannschen Bewertung allgemeine Ablehnung zuteil wird, haben wir es immer noch mit einer Aussage zu tun, die einerseits verstanden werden will und andererseits ein paar Gräben weiter tatsächlich auch verstanden wird.

Margot Käßmann vergleicht die AfD-Forderung mit dem "Kleinen Ariernachweis". Dieser galt als erbracht, wenn der Proband offiziell beglaubigte Taufurkunden seiner Eltern und Großeltern vorlegen konnte (von seiner eigenen Taufurkunde und den entsprechenden Heiratsurkunden einmal abgesehen). Wenn Käßmann also sagt "Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern", dann bezieht sie sich damit auf die Bedingungen für den Arier-Nachweis*. Der Reformationsbotschafterin darf unterstellt werden, daß sie sowohl besagten Nachweis als auch alle damit zusammenhängenden Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten verständlicherweise rigoros ablehnt. Mehr noch: Sie findet, daß aus der Richtung, aus welcher auch heute noch Rufe nach einem solchen Nachweis kommen, ein eindeutig braun eingefärbter Wind weht.

Nicht mehr, nicht weniger. Käßmann will keineswegs sagen, daß all jene Nazis sind, die zwei deutsche Eltern und vier deutsche Großeltern haben, sondern daß jene in der braunen Ecke stehen, welche bei jeder in Deutschland lebenden Person am liebsten zwei deutsche Eltern und vier deutsche Großeltern im Stammbaum sähen**.
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* Sie liegt damit nicht zu 100% richtig, da besagter Nachweis eine Abstammung aus der sogenannten "arischen Volksgemeinschaft" belegen sollte. Zu dieser zählten die Nürnberger Gesetze "Personen deutschen oder artverwandten Blutes", also nach damaliger Auffassung z.B. auch Angehörige "nordischer" Völker. Im Sinne der damaligen Machthaber war der Arier-Nachweise also kein strenger Deutschen-Nachweis sondern eher ein Nicht-Juden-Nachweis.

** Ob die Forderung der AfD nach einer höheren Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung nun tatsächlich ein Ruf nach dem "Ariernachweis 2.0" ist und ob Käßmann ihre Kritik vielleicht auch geschickter, origineller und dialogoffener an den Kirchentagsbesucher hätte bringen können: Das ist wieder eine ganz andere Diskussion.

Freitag, 19. Mai 2017

Enthüllung / Geheimnis

en silberblauen Nebel verlassend, lausche ich den Maschinen. Wie verzerrtes Wolfsgeheul schallt es von den harten Schemen herüber. In kantiger Geschäftigkeit verrichten die Metallskulpturen ihren monotonen Dienst, in rauhem Dialekt gleichzeitig schaffend und zerstörend. Ein einsamer Vogel fleht im kalten Morgenduft. Er wird von zischenden Dampferuptionen verhöhnt.

oldene Schnallen gemächlicher Schuhe bewerfen mich mit Sonnenlicht. Der Würdenträger lange Purpurschleppen ziehen gravitätisch an mir vorbei, fließen durch die alten Straßen wie schweres Blut durch glatte Adern. Routine glänzt sanft auf runden Gesichtern. Ein Säugling jauchzt in den warmen Mittag hinein. Das Geläut der Glocken bestätigt sein Zeugnis.

Dienstag, 16. Mai 2017

Es ist mal wieder Zeit...

ie Augenfuttrigkeit dieses Blogs hat in den letzten Wochen - wenn nicht Monaten - doch irgendwie zu wünschen übrig gelassen. Dem wird nun massiv entgegengesteuert mit diesem Posting. Auf allen Bildern zu sehen ist Jusztinián György Kardinal Serédi, Erzbischof von Esztergom zwischen 1927 und 1945. Der Herr Kardinal schafft es, auf den meisten Bildern immer trefflich herausgeputzt daherzukommen. Er verstarb am 29. März 1945 an einem Herzinfarkt, an welchem die Nachricht über die Bombardierung und Zerstörung Budapests angeblich einen nicht geringen Anteil hatte.












Montag, 15. Mai 2017

Der Sohlenschänder

it dem neuen Stück wage ich mich zum ersten Mal so ein wenig auf den Dancefloor. Das Teil lag lange unfertig herum. Ich wußte nie so richtig, was ich damit anfangen sollte, fand es aber eigentlich immer recht cool. Heute morgen habe ich mich dann nochmal drangesetzt. Und plötzlich vollendete sich das Stück praktisch von selbst. Das Ergebnis ist schräg-jauchzendes, dumpf-dudelndes, krisp-klirrendes 128bpm-Gezappel und -Gestampfe. Das Stück heißt Glühwürmchen, und reinhören könnt Ihr wie üblich auf Soundcloud.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Passt!

eine Ahnung, welcher wohlmeinende Internet-Geist heute für die Anordnung der Beiträge auf meiner facebook-Timeline verantwortlich ist. Aber das zweifelhafte Vergnügen, nacheinander diese beiden Artikel lesen zu dürfen, hat mir den Tagesbeginn gleichermaßen versüßt wie vermasselt.

Aus der ZEIT vom 26. Juli 2012:
    Beide von Deutschland geförderten Aktivitäten, die klandestinen und die öffentlichen, passen zusammen: Ob die Pläne der Oppositionellen für ein demokratisches Syrien umgesetzt werden können, hängt wesentlich davon ab, ob der wirtschaftliche Wiederaufbau allen Syrern Chancen bietet.

    Ob die Berliner Transformationskonzepte aber am Ende überhaupt zum Zuge kommen, hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel Hass bis zu Assads erwartbarem Abgang zwischen den syrischen Oppositionsgruppen noch freigesetzt wird. Alle Beteiligten, heißt es, sind sich dessen bewusst.
Von katholisch.de vom 10. Mai 2017:
    Nicht wir Syrer haben diesen Krieg verursacht. Es sind Kräfte von außen, die dafür zahlen, dass Syrien zerstört und seine Menschen getötet werden. Vor dem Krieg haben Christen und Muslime in Syrien eng zusammengelebt, in gegenseitigem Respekt. Dann kamen Prediger aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei und haben gegen die Christen aufgewiegelt. Statt von Liebe und Frieden predigten sie Hass, entgegen dem Koran. Leider haben die Leute auf sie gehört. So waren wir nicht in Syrien vor dem Krieg. Mit dem wahren Islam lässt es sich gut zusammenleben, nicht aber mit dem neuen, falschen Islam Saudi-Arabiens, der alles tötet. Viele Muslime sind gegen diesen neuen Islam. Sie leiden mehr als wir, weil sie alles verloren haben. Und Europa wird seinen Preis zahlen.
Gespenstisch...

Montag, 8. Mai 2017

Summen

s ist nicht einfach, in dieser Zeit Priester zu sein. Letztkommunionempfänger, Kulturkatholiken und Christentumsbeender soweit das Auge reicht. Leere Kirchenbänke, leerere Ordenshäuser und leerste Seminare in Hülle und Fülle. Dazu eine Amtsträger- und Laien-Schar, die sich immer schön zu fetzen weiß und dabei häufig die Gewichtung nicht hinkriegt: Während in Ägypten die Christen den Mördern ihrer Angehörigen vergeben und für diese beten, wird im Westen darüber gestritten, ob diese oder jene Formulierung in diesem oder jenem Kommentarbereich "justiziabel" ist. A propos Kommentarbereich: Virtuell herrscht eine solche geistige Unbeweglichkeit, daß man sich mit den falschen Fragen oder den falschen Kommentaren schnell mal innerhalb weniger Stunden die Vorwürfe anhören darf, man sei viel zu Nazi UND viel zu Kommie (ein Problem, mit dem auch andere Leute zu kämpfen haben). Als Kirsche auf dem Sahnehäubchen erweisen sich die regelmäßigen Zwischenrufe diverser Theologen, die wieder einmal die Kirche neu erfinden, die Bibel neu deuten, den Glauben umschreiben und das Lehramt umlenken wollen. Darf ich mich denn überhaupt darüber aufregen, wenn ich einen Satz vorher noch die geistige Unbeweglichkeit angeprangert habe? Ja, wenn all diese Versuche, die Kirche "ins 21. Jahrhundert" oder "up to date" zu bringen, nicht nur regelmäßig stattfinden, sondern mittlerweile auch so gehäuft daherkommen, daß man die Beweglichkeit eigentlich nicht mehr erkennen kann. Ich meine, wenn man 440 mal pro Sekunde die Frauenweihe oder die Abschaffung des Zölibats oder das Aufbrechen verkrusteter Strukturen fordert, dann gibt's halt den Kammerton A, und der ist nicht bunt oder frech oder modern, sondern monoton und unbeweglich, hat aber den Vorteil, daß er weder zu tief noch zu hoch ist, so daß sehr, sehr, sehr, sehr viele Stimmen mitsummen können.

In der Schar der regelmäßigen Meßbesucher in Floridsdorf tauchen in den letzten Wochen und Monaten immer wieder und immer häufiger Familien mit ihren kleinen und kleinsten Kindern auf. Diese Familien kommen von überall her: Aus Osteuropa, aus Afrika, aus dem arabischen Raum und natürlich auch aus Österreich. Die Kinder sind während der Messe eher ungefesselt und machen auch mal durch Krähen, Heulen oder Plappern auf sich aufmerksam. Vor allem ein superwinziges, etwas über ein Jahr altes Mädel aus Afrika traut sich jeden Sonntag immer ein wenig näher an den Altar und den Herrn Pfarrer heran. In der Gemeinde sollen angeblich schon Wetten eingegangen sein, an welchem Sonntag im Kirchenjahr die Kleine mir zum ersten Mal am Talarsaum zupft. Die älteren Kinder, die schon ansatzweise verstehen können, worum es geht, sind vor allem bei den Lesungen mucksmäuschenstill, weil sie die Geschichten von Jesus in der Regel ziemlich interessant bis faszinierend finden. Wenn ich mir die mittlerweile nicht mehr total überalterte sondern ziemlich abwechslungsreiche Menge der Gläubigen ansehe, die da sonntags regelmäßig in den Kirchenbänken sitz oder um die Kirchenbänke herumläuft (die Kleinen), dann stimmt mit der Welt immer sehr, sehr vieles.

Ich weiß auch nicht genau, wie ich die Moral von der Geschichte formulieren will. Auf jeden Fall ist es so, daß mir das Summen der kleinen Kinder während der Messe sehr viel lieber ist als das Summen der zuvor erwähnten Kammerton-A-Erzeuger. Denn das erste Summen sorgt immer dafür, daß ich mich lebendig fühle und auch die Kirche als lebendig verstehe.

Montag, 1. Mai 2017

Extreme Leseempfehlung!

as Blog strudelfutz hat nur einen einzigen Nachteil: Dort wird einfach nicht oft genug veröffentlicht. Jetzt scheint die geschätzte Autorin allerdings in einen Rausch verfallen zu sein: Vier Beiträge in 10 Tagen hat es dort lange nicht mehr gegeben. Nutzt die Stunde, schaut mal vorbei und genießt Texte, die ebenso humorvoll wie persönlich, ebenso tief wie alltagsnah sind. Kann man nicht genug von kriegen!